Stintino · Altstadt

Thunfischerei-Museum (MuT)

Das Gedächtnis des Roten-Thun-Fischfangs von Stintino

✽ 10 Minuten zu Fuß von der Villa

Thunfischerei-Museum (MuT)

Das Thunfischerei-Museum von Stintino, auch MuT genannt, ist eines der interessantesten ethno-anthropologischen Museen Sardiniens. Untergebracht im sorgfältig restaurierten alten MaTer-Gebäude (ehemalige Tabakmanufaktur) im Herzen der Altstadt, sammelt und bewahrt es die Erinnerung an ein uraltes Handwerk, das Stintino über Jahrhunderte prägte: den Fang des Roten Thuns mit der festen Tonnara. Bis in die 1980er Jahre legten die stintinesischen Fischer ihre Netze in den Gewässern vor Capo Falcone und Punta Negra aus und warteten darauf, dass die Thunfischschwärme während der Frühjahrswanderung vom Mittelmeer in den Atlantik hineinzogen. Eine Geschichte harter Arbeit, Solidarität und ritueller Praxis, die das Museum in ihrer ganzen Intensität erzählt.

Der Rote-Thun-Fang

Die feste Tonnara — eine Technik arabischen Ursprungs, die sich ab dem 10. Jahrhundert im Mittelmeer verbreitete — ist eine komplexe, am Meeresboden verankerte Netzkonstruktion, die die Thunfische in eine Reihe immer kleinerer Kammern leitet, bis zur letzten, der sogenannten "Kammer des Todes". Jedes Frühjahr, wenn der Rote Thun zu den Laichgebieten zog, ließen Stintinos tonnaroti mehr als zwanzig Kilometer Netze, Hunderte von Ankern und Tausende von Schwimmern ins Meer: eine Arbeit, die Dutzende Männer wochenlang beschäftigte. Der Rais, der anerkannte Chef der Tonnara, las das Meer und entschied, wann es Zeit war "aufzuholen" — also die Netze zu schließen und den Fang durchzuführen. Das Museum verfolgt jede Etappe nach anhand originaler Gerätschaften, Modellen der Boote (vascello, bastardo, palischermi) und Karten der Netzlegungen aus den letzten Jahrzehnten der Aktivität.

Die Mattanza: Arbeit und Ritual

Die Mattanza — vom spanischen Wort für "Schlachtung" — war der letzte Akt des Fangs: Wenn die Netze voll waren, schlossen die tonnaroti die Kammer des Todes und zogen langsam den Grund hoch. Die Thunfische, kräftige Tiere, die über zweihundert Kilo wiegen können, tauchten in einem immer enger werdenden Raum an die Oberfläche, bis die Männer sie mit langen Harpunen erlegten. Es war extrem harte, gefährliche Arbeit, begleitet von Chorgesängen im stintinesischen Dialekt — so alt wie die Araber, die sie lehrten, von Vater zu Sohn weitergegeben —, die den Takt vorgaben, die Mannschaften zusammenhielten und, so hieß es, das Meer besänftigten. Das Museum widmet einen ganzen Saal Archivfilmen aus den 1970er und 80er Jahren mit Bildern der Mattanza und Interviews mit den Fischern: der ergreifendste Teil des Besuchs.

Praktische Informationen

Das MuT liegt in der Via Lepanto im historischen Zentrum Stintinos, zehn Minuten zu Fuß von der Villa. Sommeröffnungszeiten (Juli–September): täglich 10:00–13:00 und 18:00–24:00 Uhr. Nebensaison: Kontakt mit dem Museum, reduzierte Öffnungszeiten. Eintritt: 5 € Vollpreis, 3 € ermäßigt (Kinder 6–14 Jahre, über 65, Gruppen), frei unter 6 Jahren. Der Besuch dauert rund eine Stunde und ist vollständig zweisprachig Italienisch–Englisch, mit Tafeln auch in Französisch und Deutsch. Das Museum ist für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich (interner Aufzug). Unser Tipp: Besichtigen Sie es zur Mittagszeit oder am Abend: an heißen Augusttagen ist es die beste Möglichkeit, ein paar Stunden aus der Sonne zu verbringen. Im Inneren auch eine Buchhandlung mit Bänden zur Lokalgeschichte und ein kleiner Shop.

WhatsApp