Castelsardo · Anglona · Nordostsardinien

Castelsardo

Das mittelalterliche Dorf am Meer, eines der schönsten Italiens

✽ 65 km von Stintino — 1 Stunde mit dem Auto

Castelsardo

Castelsardo ist eines der schönsten mittelalterlichen Dörfer ganz Sardiniens, thronend auf einem Kap aus rotem Trachyt, das in den Golf von Asinara hineinragt. 1102 von der genuesischen Familie Doria als militärischer Vorposten gegründet und zunächst „Castelgenovese" genannt, wurde es nach der aragonesischen Eroberung 1448 zu „Castellaragonese" und schließlich 1767 unter den Savoyern zu „Castelsardo". Drei Namen, drei Herrschaften, ein einziges Dorf, das seinen historischen Kern bewahrt hat: steile Gassen, weiße Häuser, die nach Salzwasser duften, ältere Frauen, die auf den Stufen vor ihren Häusern Körbe aus Zwergpalme flechten. Vom oberen Felsen reicht der Blick über die Nordküste Sardiniens bis nach Korsika. Von Stintino aus ist es ein unverzichtbarer Tagesausflug.

Was man im Dorf sehen sollte

Das Doria-Schloss beherrscht das Dorf mit seinen Türmen und mittelalterlichen Mauern. Darin beherbergt es das Museum des Mittelmeerischen Flechthandwerks, das der alten Kunst des Pflanzenfaserflechtens gewidmet ist — ein Handwerk, das in den Händen der Frauen von Castelsardo noch lebendig ist. Von der Schlossterrasse bietet sich ein 360-Grad-Blick über den Golf von Asinara, die Isola Rossa und an klaren Tagen die korsische Küste. Die Kathedrale Sant'Antonio Abate aus dem späten 15. Jahrhundert liegt direkt am Meer, mit ihrem zylindrischen, in bunter Majolika verkleideten Glockenturm — eines der Wahrzeichen des Dorfes. Die Altstadt ist ein Labyrinth aus Gassen, Treppen, Steinbögen, kleinen Handwerksläden und Restaurants mit Blick auf das Mittelmeer. Fünf Kilometer außerhalb des Zentrums der Elefantenfelsen: ein riesiger, vom Wind in Form eines Dickhäuters geschliffener Trachytblock, in dessen Inneren *Domus de janas*, neolithische Felsgräber, eingehauen wurden. Den kleinen Abstecher ist er wert.

Traditionen und Veranstaltungen

Das intensivste Ereignis ist Lunissanti, der Heilige Montag: eine nächtliche Prozession der drei Bruderschaften — Santa Croce, Santissimo Sacramento, Santa Maria delle Grazie — die, nur von Fackeln beleuchtet, durch das Dorf ziehen und alte gregorianische Gesänge im logudoresischen Sardisch anstimmen. Es ist eine der ergreifendsten Osterzeremonien ganz Sardiniens und zieht Besucher aus ganz Europa an. Im Sommer ist der Kalender voll: Konzerte im Schlosshof, Korbfest im August, Handwerksausstellungen, Open-Air-Kino. Der Wochenmarkt findet freitagvormittags entlang der Hauptstraße der Neustadt statt. Zu jeder Jahreszeit unverpasslich: der Sonnenuntergang von den Stadtmauern — die Sonne versinkt hinter der Asinara-Küste und der Fels färbt sich rot, im selben Rot des Trachyts, der ihn formt.

Anfahrt von Stintino

Mit dem Auto vom Villa-Parkplatz fünfundsechzig Kilometer, rund eine Stunde: hinunter nach Porto Torres, dann die Küstenstraße SS200 Richtung Sorso–Castelsardo, eine Panoramastrecke entlang des Golfs von Asinara mit weitem Blick. Alternativ SS131 bis Sassari und dann SS200 (ähnliche Fahrzeit, weniger Meerblick). Die Altstadt ist verkehrsbeschränkte Zone: stellen Sie das Auto auf den gebührenpflichtigen Parkplätzen unterhalb der Mauern ab — ein praktischer öffentlicher Aufzug bringt Sie direkt in den oberen Ortsteil. Von Stintino aus gibt es keine direkten Busse: mit öffentlichen Verkehrsmitteln wären ein Umstieg in Sassari und mehrere Stunden Fahrt nötig.

Praktische Informationen

Das Doria-Schloss ist ganzjährig geöffnet, im Sommer von 9:00 bis 20:00 Uhr, außerhalb der Saison mit früherer Schließung. Eintritt rund 5 € für Erwachsene, ermäßigt für Kinder und Gruppen. Für den Besuch sollten Sie mindestens eine Stunde einplanen, dazu eine weitere, um sich im Gassenlabyrinth zu verlieren. Verbinden Sie den Tag mit einem Mittagessen in einem der Restaurants auf dem Felsen — lokale Spezialitäten: *ciusòni*, kleine Grießklößchen mit Wildschweinsoße, und die *galluresische Suppe*. Für die Rückfahrt nach Stintino brechen Sie gegen 19:00 Uhr auf, um den Sonnenuntergang vom Aussichtspunkt zu genießen, bevor es hinuntergeht. Wenn Sie lieber im Ort zu Abend essen: reservieren Sie, an Sommerwochenenden sind die Restaurants sehr gefragt.

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